Objekt der Woche: Das Schachspiel

In einer Glasvitrine in seinem privaten Arbeitszimmer bewahrte Helmut Schmidt Dinge auf, die ihm besonders kostbar waren. Darunter auch ein kleines Schachspiel, das er in der Kriegsgefangenschaft selbst geschnitzt hatte.

In einer Ausgabe der bekannten Serie „Auf eine Zigarette mit“ sprach ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit Helmut Schmidt über das Schachspielen, das Schmidt schon im Grundschulalter von seinem Vater gelernt und sein Leben lang praktiziert hat. In diesem Gespräch erzählt der Freund des Strategiespiels, welches Schachspiel ihm besonders viel bedeutete, nämlich das aus der Vitrine im Arbeitszimmer: „…, ich erinnere mich an ein Schachspiel, das ich sehr liebgewonnen habe. Das habe ich mir in der Kriegsgefangenschaft selbst aus Holz mit einem Messer geschnitzt. Es hatte vielleicht eine Größe von 15 mal 15 Zentimetern, die schwarzen Felder waren mit Ersatzkaffee gefärbt. In jedem Feld war ein Loch; da konnte man die kleinen Holzfiguren hineinstecken. Dieses Spiel habe ich mit nach Hause gebracht, es steht heute noch in einem Schrank.“

Kurz vor Ende des Krieges, im April 1945, geriet Helmut Schmidt in britische Kriegsgefangenschaft, die er in einem Lager in Belgien verbrachte. Im August desselben Jahres wurde der damals 26-Jährige entlassen und kehrte nach Hamburg zurück. „Ich war ein fertig gebackener Sozi, als ich nach Hause kam“, wird Helmut Schmidt rückblickend in einer Serie über das Leben des Altkanzlers in der WELT zitiert. Die Zeit und die Begegnungen im Kriegsgefangenenlager werden in diesem Artikel als sein politisches „Erweckungserlebnis“ interpretiert.

Das komplette Zigaretten-Gespräch mit Giovanni di Lorenzo zum Thema Schach ist hier zu lesen: „Über Schachpartien mit seiner Frau und mit mächtigen Männern“.

© Frederik Küll

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