Objekt der Woche: Der Kiwi

In Helmut Schmidts Haus in Langenhorn finden sich die unterschiedlichsten Kostbarkeiten. Nahezu an jedem Fleck, den man betrachtet, kann man etwas entdecken. So auch in dem kleinen, rollbaren Tisch unter dem Fernseher. Direkt neben der (ebenfalls inventarisierten) Fernbedienung sitzt ein kleiner Kiwi.

Elf Zentimeter hoch und neun Zentimeter breit sitzt er da, mit dem zerzausten Fell vor den Augen. Bei der Inventarisierung bekam er die Nummer „WZO101“ ans linke Bein gebunden und warf die Frage auf, wieso ein Altbundeskanzler ein Kuscheltier im Wohnzimmer hat.

Die Geschichte dahinter beginnt im Februar 1962 als die große Sturmflut Hamburg heimsuchte. Vor allem die Stadtteile Wilhelmsburg und Kirchdorf litten auf Grund ihrer Nähe zum Wasser. Helmut Schmidt, damals Innensenator der Stadt, nahm sich der Katastrophe an und hielt den Schaden so gering wie möglich.

Als 2012 das Gymnasium Kirchdorf/Wilhelmsburg, kurz „KiWi“, auf der Suche nach einem neuen Namen war, schlug Schulleiter Volker Clasing vor, die Schule in Helmut-Schmidt-Gymnasium umzubenennen. Dies zeigte die große Anerkennung, die Helmut Schmidt in Wilhelmsburg auch 50 Jahre nach der Flutkatastrophe noch genießt. Die Schulgemeinschaft hatte er schnell auf seiner Seite. Jedoch ist es in Hamburg nicht gestattet, eine Schule nach einer noch lebenden Persönlichkeit zu benennen. Allerdings weiß man in der Hansestadt, dass Helmut Schmidt keine Persönlichkeit wie jede Andere war. So erteilte der Senat eine Sondererlaubnis für die Schule, die ihre Pläne nun in die Tat umsetzen konnte.
 
Aber nicht nur Helmut Schmidts Verdienste rund um die Flutkatastrophe, sondern auch seine bildungspolitischen Interessen zeigen, dass er der richtige Namensgeber für eine Schule ist. 2001 sagte Helmut Schmidt, er gehe davon aus, dass „Produktivität und Leistung nicht allein auf Intelligenz und Fleiß beruhen, sondern auch auf Ausbildung“. Gerade in diesem Aspekt leistet das Helmut-Schmidt-Gymnasium hervorragende Arbeit. Wobei der „Bertini-Preis“ sowie der „Hamburger Bildungspreis“ nur zwei Beweise dafür sind, wie hervorragend die Arbeit der Schule ist.

Zur feierlichen Umbenennung in Helmut-Schmidt-Gymnasium im November 2012 war der Namensgeber selbstverständlich eingeladen und erschien auch freudig. Als Zeichen der Dankbarkeit und der Verbundenheit überreichte Volker Clasing Helmut Schmidt eben diesen Kiwi, der seitdem mit zerzaustem Blick über das Wohnzimmer wacht.

Mit dieser Story rund um das Maskottchen des Helmut-Schmidt-Gymnasiums wollen wir schon mal auf die Eröffnung der Ausstellung „Schmidt erleben“ am Donnerstag, den 24. Mai 2018 hinweisen. Die Schülerinnen und Schüler haben super motiviert in Eigenregie eine Dauerausstellung über den Namensgeber ihres Gymnasiums erarbeitet, die ab diesem Zeitpunkt dort zu sehen sein wird.

© Frederik Küll

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