Objekt der Woche: Reyno White

Ganz in Weiß mit zwei mintfarbenen schmalen Ringen und einem Markenschriftzug auf der Höhe des Filters: die „Reyno White“-Mentholzigarette war die Stammmarke des leidenschaftlichen Rauchers Helmut Schmidt.

Produziert wird die Zigarette mit Mentholgeschmack von dem 1875 gegründeten Tabakkonzern R. J. Reynolds Tobacco Company (RJR). In Deutschland wird die Marke von Japan Tobacco International vertrieben.

Ein Blick in die Firmengeschichte zeigt, wie innovativ RJR damals war: 1954 brachte das Unternehmen die erste Filterzigarette auf den Markt, 1956 die erste Mentholzigarette. Während der amerikanische Name der Neuentwicklung „Salem“ vom Unternehmenssitz Winston-Salem in North Carolina inspiriert war, wurden für die bis heute gültige deutsche Markenbezeichnung „Reyno“ die ersten fünf Buchstaben des Gründernachnamens R. J. Reynolds entlehnt.

Das Verbot von Mentholzigaretten in der EU ist für Mai 2020 angekündigt.  

Hartnäckig hält sich eine Legende, die 2013 der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in die Welt gesetzt hat. Bekannt für seine markigen Worte, erzählte er als Seitenhieb auf die Regulierungslust der EU-Behörden, dass Helmut Schmidt aus Sorge um ein Verbot der Mentholzigarette 200 Stangen seiner Lieblingsmarke im Keller horte. Bisher wurden bei der Inventarisierung des Privatbesitzes im Haus des Ehepaars Schmidt in Hamburg-Langenhorn keine über das normale Maß hinausgehenden Reyno-Vorräte gefunden – auch wenn an Zigarettendosen und Aschenbechern kein Mangel ist.

Helmut Schmidt rauchte geschätzt 40 Zigaretten pro Tag. Der wohl berühmteste Raucher Deutschlands, den der SPIEGEL als „idealen Raucher“ bezeichnete, sorgte angesichts der öffentlichen Diskussion um den Nichtraucherschutz immer wieder für Schlagzeilen, wie in diesem MOPO-Artikel von 2013 „Der Kampf gegen den Dauer-Qualmer“ deutlich wird.

Die ZEIT widmete ihrem rauchenden Herausgeber eine eigene Kolumne: „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“, die auch in Buchform erschienen ist. Ebenfalls inspiriert vom Zigarettenqualm erfanden die Kabarettisten der WDR-Mitternachtsspitzen „Loki und Smoky“.

Schmidt jedoch ließ sich von der Kritik an seinem Zigarettenkonsum in der Öffentlichkeit – und selbst von Strafanzeigen – nicht beirren. Er legte die Zigaretten nur gelegentlich beiseite und griff stattdessen zum Schnupftabak.

© dpa

© Frederik Küll

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