20 Umzugskartons, 5000 Büroklammern und ein Findbuch mit 105 Seiten

Als Sprecherin der Forschungsgruppe übergab Rita Elsner das Findbuch an den Wehrbeauftragten Dr. Hans-Peter Bartels (Mitte). Als Mitglied der studentischen Forschungsgruppe hatte sie gemeinsam mit Henri Hausig, Niklas Hellmich, Dorothee Voß und Lynn Mazur (hintere Reihe von links) ein Jahr daran gearbeitet. Dank und Anerkennung zollten den Studierenden auch Dr. Meik Woyke (rechts) und Stefan Herms (links). Bildrechte: BKHS/Kaphengst

Studentische Forschungsgruppe erschließt den Nachlass des Schmidt-Freundes Willi Berkhan

Geschafft: Am Anfang standen 20 Umzugskartons mit unbekanntem Inhalt, am Ende hielten sie ein in Leinen gebundenes Findbuch in den Händen, das sie jetzt im Helmut Schmidt-Archiv in Hamburg-Langenhorn dem Wehrbeauftragten des Bundestages Dr. Hans-Peter Bartels (Mitte) feierlich überreichten.

Dabei schwang neben der Freude jedoch auch etwas „Traurigkeit“ mit, wie die Studentin Rita Elsner (Mitte links) einräumte. „Traurigkeit, weil nun eine Arbeit ihr Ende findet, die uns allen sehr fehlen wird.“ Gemeinsam mit Henri Hausig, Niklas Hellmich, Dorothee Voß, Lynn Mazur (hintere Reihe von links) hatte sie in monatelanger Arbeit, „gefühlt 5000 Büroklammern“ gelöst, etliche Blätter beschriftet und stundenlang in die Datenbank des Archivs eingepflegt. „Neben recht drögem Lehrmaterial aus Studium und Beruf, fanden sich in den Kartons auch politisch sensible Themen wie die Spiegel-Affäre oder freundschaftlich kecke Briefwechsel zwischen Helmut Schmidt und Willi Berkhan“, berichtete Elsner begeistert aus der engagierten Forschungsgruppe. Auf 105 Seiten haben sie in dem Findbuch all diese Briefe, Reden, Manuskripte und andere Archivalien aus dem Teilbestand des Nachlasses des ehemaligen Wehrbeauftragten Karl Wilhelm („Willi“) Berkhan akribisch aufgelistet.

Berkhan gehörte zu den engsten Freunden Helmut Schmidts. 1945 lernten sie sich in der Hamburger Gruppe des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) kennen. Später teilten sie sich als Bundestagsabgeordnete eine Wohnung in Bonn. Während Schmidt als Kanzler die Bundesrepublik führte, bekleidete Berkhan das Amt des Wehrbeauftragten. Als Berkhan 1994 starb, war der Altkanzler tief betroffen und gedachte: „Willi Berkhan haben wir immer als Teil unserer eigenen Familie betrachtet. Für mich ist [er] der ältere Bruder gewesen.“ Jahre später wurde der Nachlass Berkhans in das Helmut Schmidt-Archiv aufgenommen.

Im Rahmen eines Projektseminars, das Franziska Zollweg, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung im Archiv in Langenhorn, an der Universität Hamburg geleitet hatte, arbeiteten Studierende des Fachbereichs Public History daran, den Berkhan Bestand für die Forschung zugänglich zu machen.

„Gratulation, eine beeindruckende Arbeit“, zollte Berkhans Nachfolger Dr. Hans-Peter Bartels der Forschungsgruppe Respekt und ermunterte sie zugleich, anhand der Biografien seiner Amtsvorgänger die Rolle des Wehrbeauftragten zu erforschen. Dank und Anerkennung sprachen den Studierenden auch Dr. Meik Woyke (Vorstandsvorsitzender der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung) und Stefan Herms (Geschäftsführer der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung) aus, die das Projekt gemeinsam ermöglichten.

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