Erst restauriert, dann zu sehen: Die Kunst der Schmidts

Gemälderestauratorin Silke Beiner-Büth restauriert mit drei weiteren Kollegen Gemälde, Grafiken und Plastiken aus dem Besitz des Ehepaares Schmidt im Neubergerweg. Bildrechte: BKHS/Zapf

Eine tiefe Liebe zur Kunst und ihren Künstlern zieht sich durch das Leben von Helmut und Loki Schmidt. Wer das Schmidt-Haus in Langenhorn betritt, sieht das auf den ersten Blick. Jetzt werden Gemälde, Grafiken und Plastiken aus dem Besitz des Ehepaares Schmidt restauriert. Eine Auswahl der Bilder zeigt im Oktober eine Ausstellung im Barlach Haus. Parallel dazu erscheint die Publikation „Kanzlers Kunst“ – aktuelle Aufsätze zu verschiedenen Aspekten der Kunst-Begeisterung im Hause Schmidt.

Silke Beiner-Büth hat sich in Lokis Zimmer eingerichtet, Gudrun Kühl nutzt das hauseigene Schwimmbad. Andreas Weiss hat das Esszimmer gewählt. Die drei bringen Leben in das Haus am Neubergerweg. Vor allem aber sorgen sie dafür, dass der Kunst-Nachlass der Schmidts lebt. Silke Beiner-Büth ist Gemälderestauratorin, Gudrun Kühl spezialisiert auf Papierrestauration, während Andreas Weiss fotografiert. Gemeinsam mit Antonia Billib, die Gemälde der Schmidts in ihrer Werkstatt aufarbeitet, kümmert sich das Team für die kommenden Monate und Jahre um die Kunst im Neubergerweg.

Insgesamt etwa 100 Gemälde und Grafiken hängen allein an den Wänden, mehr als 50 Kleinplastiken stehen auf Fensterbänken, in Vitrinen und Regalen, auf dem Kaminsims und auf Sideboards. Die Namen der Künstler sind aller Ehren wert. Chagall, Dix, Schmidt-Rottluff, Picasso, die von den Schmidts besonders verehrten Emil Nolde, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker oder Olga Bontjes van Beek ebenso wie zahlreiche Hamburger Künstler, etwa Herbst, Bollmann, Eitner, Illies, Höckner oder Kayser.

Auch an Kunst nagt der Zahn der Zeit. Wenn Gemälde über Jahrzehnte hängen, nehmen sie Schaden. Risse müssen geschlossen, Farben gefestigt und Passepartouts erneuert werden. Jedes Werk braucht den genauen Blick, ob es konserviert oder sogar restauriert werden muss, damit es auch für die Nachwelt erhalten bleibt.

Sind die Bilder schließlich aufgearbeitet, sollen sie gezeigt werden: eine Auswahl von ihnen im Ernst Barlach Haus im Jenischpark sowie ein Überblick in einem umfangreichen Band mit dem Titel „Kanzlers Kunst“. Beide Projekte sollen im Oktober 2020 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dass dies auch so funktioniert, ist die Aufgabe von Dr. Friederike Weimar. Die Kunsthistorikerin hält für alle drei Projekte die Zügel in der Hand – die Restaurierungen, die Publikation „Kanzlers Kunst“ und die Ausstellungskoordination.

Sämtliche Kunstwerke sind jetzt begutachtet, aktuell laufen die Restaurationsarbeiten. Friederike Weimar wählt aus, welche Bilder zuerst an der Reihe sind – diejenigen nämlich, die im Ernst Barlach Haus zu sehen sein werden oder dringend einer Sicherung bedürfen. Die restlichen Gemälde sollen im Laufe der nächsten Jahre restauriert werden.

Einen Großteil ihrer Zeit widmet Friederike Weimar dem Buch-Projekt. „Kanzlers Kunst“ wird im Verlag Dölling&Galitz erscheinen und bietet beides: Aufsatzsammlung und Bilderschau. Damit geht das Werk weit über einen Ausstellungskatalog hinaus. Es dokumentiert nicht nur mehr als doppelt so viele Kunstwerke wie in der Ausstellung zu sehen sein werden. Die Autoren der insgesamt sieben Aufsätze beleuchten ganz unterschiedliche Aspekte im Verhältnis von Helmut und Loki Schmidt zur Kunst.

Dabei geht es etwa um das politische und private Kunstinteresse der Schmidts (Werner Irro), speziell um das Kunstinteresse Loki Schmidts (Rainer Lehberger), das nicht immer unbelastete Verhältnis der Schmidts zu den Künstler-Familien Bontjes van Beek und Modersohn (Werner Irro), die Entstehung des Kanzler-Porträts vom damaligen DDR-Starkünstler Bernhard Heisig (Kristina Volke), die ambivalent zu bewertende Faszination für Emil Nolde (Bernhard Fulda), um die Hamburger Kunst der Schmidts (Friederike Weimar) sowie die Beziehung zu ausgewählten Künstlern (Hendrik Heetlage). Darüber hinaus wird der Band die Kunstsammlung in den Wohnräumen der Schmidts zeigen.

Die Eröffnung der Ausstellung und die Veröffentlichung des Buches sind für den 4. Oktober geplant.

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