Helmut Schmidt erklärt die Welt

Bildrechte: Rowohlt Verlag

Autorin: Katja Sinn, M.A., die Ausstellungsassistentin der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Bildrechte: Zapf

Friederike Haupt, Volker Zastrow (Hg.), Rowohlt 2013

Der immer wieder aufgelegte Bestseller, „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“, in dem der Altkanzler Helmut Schmidt in Kurzinterviews mit Giovanni di Lorenzo über Privates plaudert und die Welt erklärt, wird hier von zwei Journalisten der FAZ in eine überraschende Parodie verwandelt.

Eigentlich gar nicht undenkbar, das Format der Kurzinterviews mit Fragen von Bürgern fortzusetzen, und mit einem Vorwort von Giovanni di Lorenzo zu versehen – es ist deshalb nicht schwer, dem Buchtitel auf den Leim zu gehen. Denn nicht jeder bedenkt, dass es eben nicht nur einen Helmut Schmidt gibt, im Übrigen genauso wenig wie nur einen Giovanni di Lorenzo. So haben in dem Buch zahlreiche Namensbrüder Schmidts auf Fragen von Bürgern aus der ganzen Republik geantwortet. Die Frage „Verehrter Herr Schmidt, welche Meinung haben Sie zu Frauen?“ wird beispielsweise von Helmut Schmidt (59, aus Neuss) mit „Frauen sind eine gute Ergänzung.“ beantwortet.

Schmidtfans, die dieses Buch in der Hoffnung gekauft haben, Neues oder Weises vom Altbundeskanzler zu erfahren, werden sicherlich zunächst stutzen, vielleicht empört sein, aber dann hoffentlich laut lachen und das auch über sich selbst. Geht man zurück zum Buchdeckel, hätte man durchaus erkennen können, wie dieses Buch gemeint ist, denn eine ausgedrückte Zigarette passt nun gar nicht zum Raucher der Nation, dem als einzigem das Rauchen überall erlaubt war!

Meine Empfehlung: Man kann dieses Buch als volkskundliche Studie lesen, die schlaglichtartig zeigt, was Deutsche antworten, die sonst nicht gefragt werden und dabei erstaunen oder erschrecken oder lachen, aber man wird sich auch immer fragen, was denn DER Helmut Schmidt wohl zu der einen oder anderen Frage geantwortete hätte. So kann der Leser dann mit diesen Fragen und neu erwecktem quellenkritischem Ehrgeiz wieder auf Forschungsreise in die seriöse Schmidtliteratur gehen.

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