Heute vor 40 Jahren: Protestcamp in Gorleben

Besetzung der „Tiefbohrstelle 1004“ bei Trebel (Kreis Lüchow-Dannenberg) am 03.05.1980. Bildrechte: Günter Zint

Am 03.05.1980 ausgestellter „Wendenpass“ der „Freien Republik Wendland“. Bildrechte: Gorleben Archiv e. V.

Räumung des „Hüttendorfs 1004“ bei Trebel (Kreis Lüchow-Dannenberg) am 05.06.1980. Bildrechte: Günter Zint

Ankunft Helmut Schmidts in Rehbeck (Kreis Lüchow-Dannenberg) am 04.04.1981. Bildrechte: wendland-archiv.de (Herkunft Irmtraut Pienkoß)

Am 3. Mai 1980 errichtete die Anti-Atom-Bewegung ein Hüttendorf am geplanten Endlager

Bundeskanzler Helmut Schmidt unterstützte hingegen den weiteren Ausbau der Kernenergie

Im Februar 1977 beschloss die niedersächsische Landesregierung unter Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU), ein „Nukleares Entsorgungszentrum“ im wendländischen Gorleben zu errichten. Zwei Jahre später begannen im Kreis Lüchow-Dannenberg die Erkundungsarbeiten, mittels Probebohrungen sollte die Eignung eines dortigen Salzstockes als Endlager für hochradioaktive Atomabfälle geprüft werden.

Kernkraftkritische Gruppen besetzten dann am 3. Mai 1980 das nahe einem Waldstück gelegene Gelände der geplanten „Tiefbohrstelle 1004“ und schufen aus Holz und Lehm ein Protestcamp mit mehr als hundert Hütten. Die selbsterklärte „Freie Republik Wendland“ betrieb ihren eigenen Radiosender und gab gegen eine Spende von 10 DM symbolische Personaldokumente aus, die „für das ganze Universum“ gültig sein sollten.

Am 5. Juni 1980 räumten nach etwas mehr als einem Monat Tausende Einsatzkräfte von Bundesgrenzschutz und Landespolizei gegen gewaltfreien Widerstand das Gorlebener Hüttendorf, das mit schwerem Gerät dem Erdboden gleichgemacht wurde. Zeitgenössischen Berichten zufolge ließ sich dabei auch die sozial-liberale Bundesregierung in kurzen Abständen über den Fortgang der Polizeiaktion informieren.

Bundeskanzler Helmut Schmidt selbst kam schließlich am 4. April 1981 für einen Kurzbesuch ins Wendland, um Kommunalpolitikern seine ungebrochene Unterstützung in der Endlagerfrage zu versichern. Der weitere Ausbau der Kernkraft erschien ihm volkswirtschaftlich vor allem geboten, um die Strompreise stabil zu halten sowie die Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern Kohle und Öl zu verringern.

Auch über die folgenden Jahrzehnte blieb die zivile Nutzung der Atomenergie eines der kontroversesten innenpolitischen Themen. Bis heute gibt es in der Bundesrepublik Deutschland keinen Standort zur Endlagerung von radioaktiven Abfällen.

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