Objekt der Woche: Die Elblotsenmütze

(c) Frederik Küll

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Marineblauer Stoff, 4,5 Zentimeter breites Eichenlaubband über dem Steg, mit gedrehter oder geflochtener Kordel und immer in Größe 58,5. Dass Helmut Schmidt ein Hamburger durch und durch war, konnte man nicht nur an seinen Standpunkten erkennen, sondern auch an seiner Lotsenmütze.

Oftmals fälschlich als Prinz-Heinrich-Mütze betitelt, trug der leidenschaftliche Segler Helmut Schmidt, eine Elblotsenmütze. Erfunden von Hamburger Lotsen, die eine Mütze mit besonderem Halt, sowie geringem Windwiderstand brauchten, um auf der stürmischen Elbe die Jakobsleitern hochzuklettern.

Hergestellt wurde die 75,50 Euro teure und 8,5 Zentimeter hohe Mütze in echter Handarbeit bei Mützenmacher Walther Eisenberg, in der Hamburger Steinstraße, nur wenige Schritte vom Helmut Schmidt Haus entfernt. Sein berühmtester Kunde verstarb im Jahre 2015, den Laden, in dem „alles noch genauso ist wie 1892“, gibt es allerdings noch immer. Mittlerweile wird das 65 Quadratmeter große Geschäft von Lars Küntzel geführt, der seit 26 Jahren mehr als 20 verschiedene Modelle herstellt. In seiner Werkstatt hinter dem Verkaufsraum sitzt er dann und näht jedes einzelne Exemplar mit der Nähmaschine, die Schirme sogar mit der Hand. In der Regel braucht er dafür zwei Stunden. Gedulden müssen sich die Kunden trotzdem, auf Grund der hohen Nachfrage, teilweise bis zu vier Wochen.

Wie viele Mützen Helmut Schmidt insgesamt bei ihm gekauft hat weiß er nicht mehr, „das letzte mal im Jahr 2012, davor immer alle drei bis vier Jahre.“

Die Verbindung zwischen Küntzel und Schmidt fing schon zu Schmidts Kanzlerzeit an, als der junge Küntzel, aufwachsend in Langenhorn, das Schmidt’sche Grundstück am Neubergerweg Weg als Spielplatz nutzte. Regelmäßig wurde er von Schmidts Wachleuten „bestimmt, aber immer sehr freundlich von dem Grundstück verjagt“, wie Küntzel sagt. Dann trennten sich die Wege und über Mützenmacher Eisenberg fanden sie wieder zusammen. Als besonderen Kunden sieht Küntzel Helmut Schmidt, den er nie persönlich bedient hat, allerdings nicht. Nicht einmal ein Hauch von Stolz ist zu vernehmen wenn er über den Altbundeskanzler spricht. Insofern hätten die beiden wohl auch vom Typ her gut zusammengepasst. Hanseatisch, einfach, echt. So wie die Herren, könnte man auch die dazugehörige Mütze beschreiben.

Warum Helmut Schmidt sich für den Elblotsen entschied, weiß Küntzel nicht. An den stürmischen Winden kann es wohl nicht gelegen haben: „Der ist ja nur auf’m Brahmsee geschippert“, sagt Küntzel trocken während er den Schirm an eine „Altstadt mit Besatz“ näht.

Vielleicht war es die Liebe zur Heimatstadt, vielleicht das Interesse am Segeln. Womöglich hat sich der Politiker Helmut Schmidt aber auch ganz bewusst für die Lotsenmütze entschieden, um an die Metapher von Bismarck 1890 anzuknüpfen. Der Lotse, der das „Staatsschiff“ auch durch die größten Stürme, die höchsten Wellen und die stärksten Strömungen sicher zurück in den Hafen lenken kann. Dieses Bild nutzte Schmidt auch in seinem Wahlkampf 1980, als „Der Lotse muss an Bord bleiben“ auf den Wahlplakaten stand. Im November 2015 ist der Lotse nun endgültig von Bord gegangen. Seinem Charme, seiner Weitsichtigkeit und seiner Mütze begegnen wir auch heute noch.

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