Objekt der Woche: Ein Bonbon von Honecker

Staats- und Parteichef Erich Honecker reicht Bundeskanzler Helmut Schmidt am 13.12.1981 am Güstrower Bahnhof zum Abschied einen Bonbon ans Abteilfenster. Foto: © Dieter Klar, dpa

Am 13. Dezember 1981 beendete Helmut Schmidt einen DDR-Besuch in Güstrow. Bei der Verabschiedung auf dem Bahnhof der mecklenburgischen Kleinstadt entstand ein Foto, das einige Berühmtheit erlangte: Staats- und Parteichef Erich Honecker reichte dem deutschen Bundeskanzler zum Abschied ein Bonbon ans Abteilfenster des Zuges.

Die innerdeutsche Begegnung fand in einer angespannten Phase des Kalten Krieges statt, die geprägt war von politischen Umwälzungen in Polen und stockenden Abrüstungsverhandlungen. Güstrow  stand auf dem Besuchsprogramm, weil Helmut Schmidt im dortigen Dom die Skulptur „Der Schwebende“ von Ernst Barlach ansehen konnte, einem Bildhauer, den der Kunstliebhaber Schmidt sehr verehrte. Der Spaziergang des Staatsgastes durch die Stadt vollzog sich wie vor einer Theaterkulisse. Statt der ‚echten‘ Einwohner mimten mehrere Tausend Stasikomparsen die Güstrower Bürger. In der SPIEGEL Biografie „Helmut Schmidt – Der letzte Staatsmann“ von 7/2015 wird diese Szene unter der Überschrift „Ein Bonbon zum Abschied“ beschrieben. Hier ein Auszug:

[…] Schmidt wollte das Treffen, bei dem "unter dem Strich faktisch nichts herausgekommen ist" (Bölling), gemäß dem Programm abschließen, das ohnehin nur noch einen Abstecher in die mecklenburgische Kleinstadt Güstrow vorsah. Im dortigen Dom hängt die Skulptur "Der Schwebende" von Ernst Barlach, die Schmidt, ein Verehrer des Künstlers, besichtigen wollte. Schmidts Spaziergang durch die Stadt geriet jedoch zur Farce. Die DDR-Führung – in Sorge, es könnten sich Szenen wie 1970 in Erfurt wiederholen, wo Willy Brandt von Einheimischen begeistert mit "Willy"-Rufen empfangen worden war – schottete den westdeutschen Kanzler vor dem ostdeutschen Volk ab. Stasiminister Erich Mielke persönlich hatte den Befehl Nr. 17/81 "zur politisch-operativen Sicherung der Vorbereitung und Durchführung der Aktion Dialog" erlassen. Die Einwohner von Güstrow, soweit sie nicht vorbeugend in Haft genommen, unter Hausarrest gestellt oder aus der Stadt geschafft worden waren, durften ihre Häuser nicht verlassen. "Schreier darf es nicht geben", hieß es in einem Protokoll der Einsatzbesprechung. Die Bürger von Güstrow wurden von mehr als 5000 Stasikomparsen sowie zuverlässigen SED-Mitgliedern dargestellt. "Das war ganz schlechtes Theater", erinnert sich Bölling, "und dann ging Honecker auf diese Leute zu und gab den Angestellten von Herrn Mielke die Hand."

Verschnupft trat der Kanzler mit dem Zug die Heimreise an, und berühmt wurde das Foto jener Szene, als Honecker seinem Gast ein Hustenbonbon ins Abteilfenster reichte.  […]   

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