Objekt der Woche: Die Freitagsgesellschaft

Freitagsgesellschaft reloaded – Im November 2018  trafen sich anlässlich seines bevorstehenden 100. Geburtstages Mitglieder der von Helmut Schmidt einst ins Leben gerufenen Freitagsgesellschaft im Privathaus des ehemaligen Bundeskanzlers in Langenhorn. v. l.: Hans-Jochen Jaschke, Katharina Trebitsch, Martin Willich, Manfred Lahnstein, Alfons Pawelczyk, Michael Otto, Heiner Greten.

1985 initiierte Helmut Schmidt die Freitagsgesellschaft. Sie bestand aus 25 Mitgliedern und tagte während des Winterhalbjahres an jedem zweiten Freitag im Monat in seinem Haus in Hamburg-Langenhorn. In diesem privaten „think tank“, wie es neudeutsch wohl heißen würde, ließ sich ungezwungen und offen diskutieren.

„Unter dem Strich hatte Helmut diese Runde ins Leben gerufen, um schlauer zu werden. Sein Ziel war es schlicht und ergreifend, aus profundem Munde Wissen aufzusagen“, zitiert das Hamburger Abendblatt in einem Artikel aus dem Jahr 2015 einen der Mitbegründer der Freitagsgesellschaft, den ehemaligen Hamburger Bürgermeister Peter Schulz. Die Mitglieder der Freitagsgesellschaft – zu denen unter anderem der Schriftsteller Siegfried Lenz, die  Filmproduzentin Katharina Trebitsch,  die Physiker Hauke Trinks und Reimar Lüst, der Bankier Max Warburg oder der Manager Manfred Lahnstein gehörten – kamen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und waren zum Beispiel Unternehmer, Künstler, Wissenschaftler, Arzt, Theologe oder Politiker. Im Mittelpunkt der Treffen stand immer ein Vortrag zu einem speziellen Thema. Die Auswahl war vielfältig: Außen- und Weltpolitik, aber auch Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung standen auf dem Programm. Ungeachtet politischer Zugehörigkeit und zu strenger Diskretion verpflichtet, wurde in vertrauter Runde, so Heinz Spielmann, Kunsthistoriker und Museumskurator, „kritisch nicht selten gegenüber dem Zeitgeist“ diskutiert.

Der Abend begann, wie Manfred Lahnstein (SPD) sich gerne erinnert, an der gemütlichen Hausbar mit einem von „Otti“ Heuer (Schmidts Personenschützer) frisch gezapften Bier. Später bat Loki zur Hausmannskost an den großen Esstisch, ehe sich die Eingeladenen im Wohnzimmer den großen Themen widmeten.

Freitagsgesellschafter Hauke Trinks schätzte insbesondere Helmut Schmidts qualitativen Anspruch an die Runde: „Er war ein Meister darin, scharfsinnige Fragen zu stellen, die exakt auf den schwachen Punkt einer Debatte zielten. Unglaublich, was er für ein Gedächtnis hatte und wie er bis zuletzt alles durchblickt hat, selbst wenn er minutenlang schwieg. Alle waren beeindruckt.“ Die Freitagsgesellschaft tagte letztlich bis zum Ende des Wintersemesters 2014/15. In den 27 Jahren ihres Bestehens wurden über 175 Vorträge, auch von Gastrednern, gehalten.

Weitere interessante Eindrücke und Erinnerungen der ehemaligen Freitagsgesellschafter in den Artikeln der Welt und des Hamburger Abendblattes.

Erkenntnisse der Freitagsgesellschaft auch in diesen Veröffentlichungen:

  • „Erkundungen. Beiträge zum Verständnis unserer Welt. Protokolle der Freitagsgesellschaft“
  • „Vertiefungen. Neue Beiträge zum Verständnis unserer Welt. Protokolle der Freitagsgesellschaft“

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