Objekt der Woche: Helmut Schmidt. 100 Seiten

„Helmut Schmidt in Zahlen“ – eine Infografik aus dem neuen Reclam-Buch über Helmut Schmidt.  Gestaltung: Infographics Group GmbH / Reclam

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Kürzlich erschien in der Reclam-Reihe „100 Seiten“ der Band über Helmut Schmidt. Historiker Meik Woyke hatte sich rechtzeitig zum 100. Geburtstag, den der Staatsmann am 23.12.2018 gefeiert hätte, auf die Spuren der Persönlichkeit gemacht. Der Historiker Dr. Johannes Zechner, Kurator der Dauerausstellung bei der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung, hat das Buch für uns gelesen:

Passt ein Jahrhundertleben auf gerade einmal ein knappes Hundert Textseiten? „Durchaus!“ kann die Antwort auf diese Frage nach Lektüre einer jüngst erschienenen Publikation lauten, die sich dem am 23. Dezember 1918 geborenen und vor nunmehr fast drei Jahren verstorbenen Helmut Schmidt widmet. Zu Papier gebracht hat das (mintgrüne!) Reclam-Bändchen der Historiker Meik Woyke, fachlich bestens ausgewiesen durch seine 2015 veröffentlichte Edition des Briefwechsels zwischen Willy Brandt und dessen Nachfolger als Bundeskanzler.

Das Jahrhundertleben des gebürtigen Hamburgers Helmut Schmidt begann kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges und führte über anfängliche Stationen als Schüler der Lichtwarkschule, Offizier der Wehrmacht sowie Student der Volkswirtschaftslehre und Staatswissenschaften. Im Laufe seiner politischen Karriere wirkte er dann in zahlreichen verantwortungsvollen Ämtern: unter anderem Polizei- und später Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg; Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und stellvertretender Parteivorsitzender; Verteidigungs- und dann Wirtschafts- sowie Finanzminister im Bundeskabinett. Seine Kanzlerschaft von 1974 bis 1982 war geprägt durch brisante weltpolitische Großthemen wie Energiekrise und Terrorismus, aber auch durch breite gesellschaftliche Debatten um den besten Weg zur Sicherung von Frieden und Wohlstand. In der Zeit „außer Dienst“ blieb Helmut Schmidt noch gut drei Jahrzehnte aktiv und betätigte sich als gefragter und  meinungsstarker Netzwerker, Publizist und Vortragsredner.

All dies und noch viel mehr erfahren wir aus Woykes gut lesbaren Ausführungen, die durchaus auch kritische Aspekte benennen (etwa Verhältnis zur NS-Vergangenheit, Politik als Inszenierung, Einstellung zur Volksrepublik China). Abgerundet wird der positive Eindruck durch Beigaben wie Infografik, Lebenschronik und Zitatensammlung sowie Hinweise auf Werke aus der Feder des beziehungsweise über den Biographierten. Es wäre dem Historiker ein Grund zur Freude, wenn derartig angeregt der eine Leser oder die andere Leserin weitere Publikationen zu Leben und Wirken Helmut Schmidts in die Hand nähme. An Lesestoff herrscht diesbezüglich beileibe kein Mangel: So umfasst allein die bislang maßgebliche wissenschaftliche Schmidt-Biographie von Hartmut Soell auf zwei gewichtige Bände verteilt mehr als 2.000 Seiten.

Meik Woyke: Helmut Schmidt. 100 Seiten, Reclam Stuttgart 2018, ISBN 978-3-15-020522-8, € 10,-

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