Helmut Schmidt – eine hanseatische Institution

In Hamburg ist er geboren, in Hamburg ist er gestorben. In Hamburg war er mehr als 96 Jahre zuhause. Helmut Schmidt ist seiner Heimat, der Freien und Hansestadt Hamburg, stets treu geblieben. Er war Bundeskanzler und Staatsmann. Aber er war auch eine hanseatische Institution. Sein Wort galt – als Politiker ebenso wie als Publizist, in Hamburg ebenso wie in der Welt.

„Die hamburgische Schnoddrigkeit, aus der man seine Jugend in Barmbek heraushören konnte, gehörte ebenso zu ihm wie die natürliche Eleganz des freiheitsliebenden hanseatischen Bürgers, der auch über den spitzen Stein stolpern konnte“, so Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz im November 2015 bei der Trauerfeier für den Hamburger Ehrenbürger in der Hauptkirche St. Michaelis.

Als Macher und Krisenmanager hatte sich Helmut Schmidt bei der großen Sturmflut 1962 bereits einen Namen gemacht. Er war damals Polizeisenator der Freien und Hansestadt. Durch seine zupackende Art, mit der er den Katastropheneinsatz koordinierte und – ohne lange nach Zuständigkeiten zu fragen – auch die Bundeswehr zum Einsatz brachte, erwarb er sich an der Elbe Anerkennung und Respekt. Der Mythos Helmut Schmidt war geboren.

Ein halbes Jahrhundert lebten Loki und Helmut Schmidt in Hamburg-Langenhorn. Das Haus am Neubergerweg 80, in das die Familie Schmidt 1961 eingezogen war, fungierte in den 70-er Jahren neben dem Kanzlerbungalow in Bonn quasi auch als inoffizieller Regierungssitz. Schmidts Freunde wie Giscard d'Estaing und Henry Kissinger gingen hier ein und aus. Es kamen der spanische König Juan Carlos oder auch der polnische Regierungschef Edward Gierek. Aufsehen erregte der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew in der beschaulichen Wohnsiedlung am Stadtrand. Er kam am 6. Mai 1978 zum Abschluss eines dreitägigen Staatsbesuches nach Hamburg. Mit dem Besuch demonstrierten Loki und Helmut Schmidt in den Zeiten des Kalten Kriegs ganz bewusst bürgerliche Normalität.

Helmut Schmidt war in der Welt zuhause, aber er wollte seine Herkunft nie verleugnen. Der „schlafenden Schönen“, der er 1962 in einem anonymen Beitrag für DIE WELT die Leviten las, blieb er stets verhaftet. Über Jahrzehnte fungierte „Schmidt Schnauze“, wie er als Bundestagsabgeordneter aufgrund seiner geschliffenen Rede genannt wurde, als moralische Instanz.  Als Elder Statesman und Autor von mehr als 50 Büchern erlangte Helmut Schmidt eine beispiellose Popularität.  Sein ökonomischer Sachverstand fand weltweit Anerkennung. 

Von 1983 bis zu seinem Tod setzte er als Mitherausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT Akzente. Auch in dieser Funktion rieb er sich bis ins hohe Alter an seiner Heimatstadt. Das „Orakel von Langenhorn“ – wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung liebevoll titelte – fand stets Gehör an der Elbe.

Es war der letzte Wille Helmut Schmidts, dass der Staatsakt des Bundespräsidenten hier im „Michel“ stattfinden sollte, wo die Hamburgerinnen und Hamburger fünf Jahre zuvor bereits von seiner Frau Hannelore „Loki“ Schmidt Abschied genommen hatten.1800 geladene Gäste – darunter auch Freunde und Weggefährten aus aller Welt wie der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing oder der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger – kamen am 23. November 2015 zur Trauerfeier nach Hamburg, um den Staatsmann Helmut Schmidt gemeinsam mit dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin zu würdigen. Tausende säumten die Straßen, als der Trauerzug vom Michel zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Ohlsdorfer Friedhof rollte. Die Hamburgerinnen und Hamburger erwiesen dem größten Sohn ihrer Stadt die letzte Ehre.

In der Freien und Hansestadt erinnert vieles an Loki und Helmut Schmidt. Schon im Dezember 2003 wurde die Universität der Bundeswehr in Hamburg in Helmut-Schmidt-Universität (s. Foto) umbenannt. 2012 wurde ein Gymnasium im Stadtteil Wilhelmsburg auf seinen Namen getauft, ebenso wie das Auditorium der Bucerius Law School.

Der Hamburger Flughafen trägt seit November 2016 den offiziellen Titel „Hamburg Airport Helmut Schmidt“. Über den Staatsmann, Hamburger Bürger und Flughafen-Nachbarn informiert eine Ausstellung im Terminal 2.

Die Stadt Hamburg würdigte auch die Verdienste Loki Schmidts mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Ihr Engagement zum Schutze gefährdeter Pflanzen führt die von ihr gegründete Loki-Schmidt-Stiftung fort. Der Botanische Garten trägt ebenso den Namen der Naturschützerin wie die Loki-Schmidt-Schule am Othmarscher Kirchenweg.

Im Haus von Loki und Helmut Schmidt in Langenhorn hat heute die Helmut und Loki Schmidt Stiftung ihren Sitz. Das Archiv und die Bibliothek, die neben dem Wohnhaus errichtet wurden, können von Wissenschaftlern und Interessierten genutzt werden. Ein virtueller Rundgang gewährt Einblicke in das Wohnhaus der Schmidts, das – entsprechend dem Testament von Helmut und Loki Schmidt – unverändert erhalten bleiben soll.

Das Hamburger Pressehaus, der Sitz der Wochenzeitung DIE ZEIT, trägt seit Januar 2016 den Namen Helmut-Schmidt-Haus. Gleich um die Ecke hat seit Mitte 2017 die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung ihren Sitz. Hier – in der Straße „Am Kattrepel“ – soll ab 2019 eine öffentliche Ausstellung an Helmut Schmidt erinnern.

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