Auf der Welle des Wandels: Jugend an der Schnittstelle von Klima, Frieden und Sicherheit

Die Verbindungen zwischen Klima, Jugend, Frieden und Sicherheit gewinnen in der globalen Politikgestaltung und Forschung zunehmend an Bedeutung und verdeutlichen die engen Wechselwirkungen zwischen Nachhaltigkeit, Konflikt und der Rolle jugendlichen Engagements. Dieser Artikel untersucht die Herausforderungen, mit denen junge Menschen konfrontiert sind, wenn sie sich für Klimaschutz und/oder Friedensarbeit engagieren, beschreibt innovative, von Jugendlichen getragene Lösungsansätze und skizziert einen gemeinsamen Weg, der junge Menschen nicht nur als Mitreisende, sondern als zentrale Akteure in den Mittelpunkt stellt.

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Der Originaltext wurde auf Englisch verfasst.

1. Einführung

Stellen Sie sich vor, Sie versuchen, ein Fahrrad mit einer kaputten Kette zu fahren. Die Räder drehen sich, aber Sie kommen nicht voran. Oder schlimmer noch: Die Bremsen sind blockiert und jedes Mal, wenn Sie versuchen, vorwärtszukommen, wird etwas gestoppt. Genau so fühlt es sich für viele junge Menschen heute an, insbesondere für diejenigen, die sich für Klima- und Friedensarbeit einsetzen. Sie treten kräftig in die Pedale, voller Energie und Zielstrebigkeit, aber die Systeme, die sie unterstützen sollen – politische Rahmenbedingungen, Ressourcen und Plattformen – funktionieren nicht immer. Dennoch geben junge Menschen nicht auf.

Das Fahrrad selbst ist eine kraftvolle Metapher für die Jugendbewegung im Klimabereich: nachhaltig, dynamisch und in der Lage, schwieriges Terrain zu bewältigen. In der Klimapolitik bedeutet dieses Terrain Konflikte, Ungleichheit, Adultismus, schrumpfende zivilgesellschaftliche Räume und Klimakatastrophen. Und genauso wie ein Fahrrad eine funktionierende Kette braucht, benötigen junge Menschen funktionierende politische, wirtschaftliche und soziale Systeme, um ihre Energie in echten Fortschritt umzuwandeln. Ohne inklusive Politik, ausreichende Finanzierung jugendgeführter Initiativen und echte Anerkennung ihrer Stimmen endet die Fahrt. Kein Maß an Motivation kann eine kaputte Kette ersetzen, und ohne angemessene Infrastruktur haben selbst die stärksten Radfahrerinnen und Radfahrer Schwierigkeiten, ihr Ziel zu erreichen.

Dieser Kampf spiegelt eine umfassendere globale Realität wider. Der Klimawandel verschärft Ressourcenkonflikte, führt zu Vertreibungen und vertieft Ungleichheiten. Er verstärkt Ernährungsunsicherheit, Wasserknappheit und trägt zu Konflikten bei (Traif et al., 2023). Gleichzeitig haben wir derzeit die größte Jugendgeneration der Geschichte (United Nations, 2022) – eine Generation, die sowohl stark von Klimakatastrophen und Unsicherheit betroffen ist als auch in der Lage ist, Wandel voranzutreiben (Gaston, 2025).

Deshalb entwickelt sich der Nexus Klima, Jugend, Frieden und Sicherheit (Climate, Youth, Peace and Security, CYPS) zu einer zentralen Agenda in Politik und Forschung. Er erkennt die Zusammenhänge zwischen ökologischer Nachhaltigkeit, Konfliktdynamiken und Jugendbeteiligung an und zielt darauf ab, junge Menschen in den Mittelpunkt von Lösungen zu stellen. Dieser Artikel untersucht diese Zusammenhänge, hebt innovative jugendgeführte Ansätze hervor und fordert die sinnvolle Einbindung junger Stimmen in Entscheidungsprozesse. Die Dringlichkeit ist klar: Da klimabedingte Krisen immer häufiger auftreten (IPCC, 2023), ist die fortgesetzte Ausgrenzung junger Menschen nicht länger nur eine verpasste Chance, sondern ein erhebliches Risiko, das wir uns nicht leisten können.

 

2. Das CYPS-Nexus verstehen und zentrale Rahmenwerke

a) Jugend und Klima

Die fehlenden Möglichkeiten für eine sinnvolle Beteiligung junger Menschen in der Klimapolitik stehen im Gegensatz zur führenden Rolle junger Menschen in der globalen Klimabewegung, wie etwa Fridays for Future und viele Jugend-Umweltorganisationen zeigen. Von Klimastreiks in Hauptstädten bis hin zu lokalen Jugendklimagruppen warten junge Menschen nicht am Rand; sie treiben dringenden und tiefgreifenden Wandel voran. Ein Beispiel ist der Hamburger Zukunftsentscheid, eine wegweisende Initiative, bei der junge Menschen direkt die Klimapolitik der Stadt beeinflussten und ambitionierte Emissionsziele durchsetzten. Diese Initiative zeigt die Kraft junger Menschen, selbst in Zeiten politischer Trägheit und geringer medialer Aufmerksamkeit für Klimaschutz.

Junge Menschen sind bereits unverhältnismäßig stark von den Folgen des Klimawandels betroffen und werden in Zukunft noch stärker darunter leiden, da sie die Konsequenzen von Entscheidungen tragen müssen, die oft vor ihrer Geburt und ohne ihre Beteiligung getroffen wurden. Daher ist die gemeinsame Betrachtung von Jugend und Klima eine Frage intra- und intergenerationeller Gerechtigkeit und allgemein der Klimagerechtigkeit (Sloan et al., 2024).

Zentrale internationale Rahmenwerke betonen die Bedeutung der Jugendbeteiligung in der Klimapolitik. Die UN-Strategie Youth 2030, die 2018 vom UN-Generalsekretär eingeführt wurde, unterstreicht die Integration junger Menschen in alle Arbeitsbereiche der Vereinten Nationen, einschließlich Klimaschutz. Sie wird derzeit von 55 UN-Organisationen und 132 Länderteams umgesetzt (UN, 2025a). Diese Vereinbarungen müssen in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, etwa durch Jugendbeteiligungsplattformen in Ministerien und Parlamenten sowie durch mehr Jugenddelegierte bei internationalen Klimakonferenzen. Junge Menschen sind keine Zukunftsversprechen – sie sind eine gegenwärtige Kraft.

 

b) Jugend, Frieden und Sicherheit

Klimawandel, Konflikte und Unsicherheit betreffen junge Menschen überproportional. Sie machen häufig den Großteil derjenigen aus, die in bewaffnete Gruppen rekrutiert werden, vertrieben werden oder keinen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen haben (UN, 2025b). Dennoch sind junge Menschen nicht nur Opfer von Konflikten, sondern auch zentrale Akteure in Friedensprozessen.

Diese Erkenntnis ist im Youth, Peace and Security (YPS)-Ansatz verankert, der 2015 durch die UN-Sicherheitsratsresolution 2250 geschaffen wurde. Er basiert auf fünf Säulen: Beteiligung, Schutz, Prävention, Partnerschaften sowie Disengagement und Reintegration (UNSC, 2015).

Die YPS-Agenda feiert im Dezember 2025 ihr zehnjähriges Bestehen und wurde im „Pact for the Future“ von 2024 erneut bekräftigt (UN, 2025c). Entscheidend ist jedoch die Umsetzung auf nationaler Ebene, etwa durch National Action Plans (NAPs). Bisher haben nur wenige Länder solche Pläne eingeführt, darunter Finnland und die Demokratische Republik Kongo (Kern, 2025). NAPs sind entscheidend, um Jugendbeteiligung in Frieden und Sicherheit systematisch zu verankern.

 

c) Klima, Frieden und Sicherheit

Klimawandel gefährdet Frieden und Gerechtigkeit zunehmend. Er wirkt als Bedrohungsmultiplikator, indem er bestehende Verwundbarkeiten verstärkt und Instabilität insbesondere in fragilen Staaten fördert (Traif et al., 2023; Gaston, 2025). Die Auswirkungen hängen stark vom jeweiligen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kontext ab (Van Baalen & Mobjörk, 2018; Kero, 2024).

Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen und Dürren führen zu humanitären Krisen, Ressourcenknappheit und Konflikten. Wasserknappheit kann etwa Konflikte und Ernährungsunsicherheit verstärken, insbesondere in Regionen mit landwirtschaftlicher Abhängigkeit (Traif et al., 2023). Dies führt zu Armut, Ungleichheit, Marginalisierung und Unruhen.

Zudem führt der Klimawandel zu Migration und Vertreibung (McLeman, 2019). Er schwächt Institutionen, untergräbt Vertrauen und destabilisiert politische Systeme. Besonders betroffen sind marginalisierte Gruppen sowie Länder des Globalen Südens, die historisch am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben (Fridays for Future, 2021).

Viele dieser Länder haben nicht die finanziellen Mittel für Klimaanpassung und Schadensbewältigung (Dafemos, 2025). Die Frage der Finanzierung ist eine Frage globaler Gerechtigkeit und kolonialer Verantwortung (BUNDjugend, 2024). Insgesamt entsteht ein Teufelskreis aus Unsicherheit und Instabilität, der Frieden erschwert.

 

d) CYPS – Chancen und Herausforderungen

Der CYPS-Nexus erkennt die Verbindung dieser Bereiche an. Junge Menschen bringen neue Perspektiven ein, stärken sozialen Zusammenhalt und tragen zur Konfliktprävention bei (Gaston, 2025). Gleichzeitig sind klimabezogene Risiken global und erfordern transnationale Lösungen (Bunse et al., 2022).

Die größte Herausforderung liegt in fragmentierten Politikansätzen. Jugend wird oft als zukünftige Gruppe gesehen, nicht als gegenwärtige Akteurin. Besonders marginalisierte Gruppen sind zusätzlich benachteiligt (Kero, 2024).

Zentrale Barrieren sind fehlende Finanzierung, Gewalt gegen Aktivistinnen und Aktivisten, mangelndes Vertrauen, intergenerationelle Ungerechtigkeit, Repräsentations- und Sprachbarrieren sowie Wissenslücken (Khèdr, Mosello & Cucinotta, 2025).

 

4. Fazit: Jugend als Akteure von Resilienz und Frieden

Die Verbindung von Klimakrise und Konflikten ist eine der dringendsten Herausforderungen unserer Zeit. Junge Menschen stehen im Zentrum dieser Krisen, sind aber gleichzeitig zentrale Gestalter von Lösungen.

Wenn also jemand fragt, ob junge Menschen bereit sind zu führen, lautet die Antwort: Sie tun es bereits. Wir fahren dieses Fahrrad seit Jahren – bergauf, durch Stürme und oft ohne Unterstützung. Was fehlt, sind keine Ideen, sondern funktionierende Systeme, Ressourcen und echte Unterstützung.

Wir müssen aufhören, junge Menschen ihre Fahrräder allein reparieren zu lassen. Wir müssen gemeinsam fahren.

 

 

Der/die Autor:in ist für den Inhalt des Artikels verantwortlich. Der Beitrag gibt nicht notwendigerweise die Meinung der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung wieder.

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