Das Wohnhaus

Rundgänge durch das Zuhause der Schmidts – virtuell und als Buch

Ein halbes Jahrhundert lebten Loki und Helmut Schmidt in Hamburg-Langenhorn. Das legendäre Reihenhaus am Neubergerweg 80, in das die Familie Schmidt 1961 eingezogen war, fungierte in den 1970er-Jahren neben dem Kanzlerbungalow in Bonn quasi als zweiter, inoffizieller Regierungssitz. Schmidts Freunde wie Giscard d'Estaing und Henry Kissinger waren hier zu Gast. Es kamen der spanische König Juan Carlos, der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew oder auch der polnische Regierungschef Edward Gierek in die beschauliche Wohnsiedlung am Stadtrand.

Jahrzehnte lang war der Neubergerweg auch Treffpunkt für die „Freitagsgesellschaft“, die 30 Jahre lang jeden 2. Freitag im Monat auf Einladung der Schmidts zusammenkam. Eine Vortrags- und Diskussionsrunde aus Persönlichkeiten unterschiedlichster Fachrichtungen – unter anderem Politiker, Unternehmer, Künstler, Ärzte und Wissenschaftler – die sich über das Weltgeschehen austauschten.

Das Haus von Loki und Helmut Schmidt ist heute ein Ort der Zeitgeschichte. Noch zu Lebzeiten hatten sich Loki und Helmut Schmidt gewünscht, dass ihr Haus einmal für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Da Führungen bedingt durch die Corona-Pandemie derzeit nicht möglich sind, können Sie hier einen virtuellen Rundgangdurch das Haus machen.

Zudem präsentiert die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung unter dem Titel „Zuhause bei Loki und Helmut Schmidt“ ein neues reich bebildertes Buch, das Sie in das Wohnhaus der Schmidts entführt. Mit dem Buch will die Stiftung allen Interessierten die Möglichkeit geben, des Kanzlers Reihenhaus in Langenhorn kennenzulernen. „Und so ist es mir als Kuratoriumsvorsitzendem eine Freude“, schreibt Peer Steinbrück in seinem Vorwort, „Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu einer Reise durch 60 Jahre deutsche Zeitgeschichte einzuladen. Historische Aufnahmen, die Bilder des Hamburger Fotojournalisten Michael Zapf sowie die Texte der Expertinnen und Experten der Stiftung werden Ihnen ungewöhnliche Einblicke in das Leben dieses Jahrhundertpaars gewähren.“ Das Buch umfasst 224 Seiten und ist im Verlag Edel Books erschienen.

Zuhause bei Loki und Helmut Schmidt. Das Kanzlerhaus in Hamburg-Langenhorn“ Herausgegeben von der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung, erschienen im Verlag Edel Books, September 2020
ISBN 978-3-8419-0746-2
EUR 22,00

Loki und Helmut Schmidt hatten einen feinen Sinn für Kunst, der im ganzen Haus spürbar ist. Ein Flügel, auf dem Helmut Schmidt selbst regelmäßig spielte, zeugt von seiner Liebe zur Musik.

Als Bewunderer von Ernst Barlach besuchte das Ehepaar regelmäßig das nach dem Bildhauer und Zeichner benannte Ausstellungshaus im Hamburger Jenischpark. Im Herbst 2020 gab das Museum erstmals einen umfassenden Einblick in die private Sammlung des Ehepaars. Die Ausstellung „Kanzlers Kunst“ umfasste rund 150 Werke, darunter Gemälde, Plastiken und Kunstgewerbliches aus dem Haus der Schmidts. Sie wurde vom Ernst Barlach Haus in enger Kooperation mit der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung und der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung realisiert.

Dass die Schmidts Kunstliebhaber waren, ist bekannt. Dass sie sich zuhause mit Arbeiten so großer Namen wie unter anderem Marc Chagall, Otto Dix, Karl Schmidt-Rottluff, Pablo Picasso, Emil Nolde, Käthe Kollwitz und Paula Modersohn-Becker umgaben, sorgt dagegen immer wieder für Erstaunen. Zur Ausstellung gab die Helmut und Loki Schmidt-Stiftung ein gleichnamiges Buch heraus, das unter Federführung der Kunsthistorikerin Dr. Friederike Weimar entstanden ist. Neben einer Bilderschau enthält es eine Reihe von Aufsätzen, die das Verhältnis der Schmidts zur Kunst beleuchten.

Das Buch „Kanzlers Kunst“ ist erschienen im Dölling und Galitz Verlag. Es umfasst 216 Seiten.

Kanzlers Kunst. Die private Sammlung von Helmut und Loki Schmidt“ Herausgegeben von der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung, erschienen im Dölling und Galitz Verlag, Oktober 2020
ISBN 978-3-86218-134-6
EUR 34,00

Das Archiv nebenan – heute ein Ort der Forschung

Schon 2006 – als das Wohnhaus der Schmidts die umfangreiche Dokumentensammlung nicht mehr fassen konnte, die Helmut Schmidt direkt nach Kriegsende begonnen hatte – beschloss er, in direkter Nachbarschaft zum Haus ein neues Archiv bauen zu lassen.

Das Archiv kann von Wissenschaftlern und Interessierten genutzt werden.