Public History im Archiv

Die Geschichte Helmut Schmidts sowie die deutsche und internationale Zeitgeschichte stehen im Fokus der Public History-Projekte. Sie setzen sich inhaltlich mit Quellen auseinander und sind eng mit der wissenschaftlichen Erschließung des Helmut Schmidt-Archivs (HSA) verbunden. Ziel ist die Vermittlung von Geschichte und deren Prozesse durch archivwissenschaftliche sowie politisch-historische Bildungsarbeit.

Zum 60. Jahrestag der Sturmflut holt die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung in einem Public History-Projekt die Katastrophe rund um den 16. und 17. Februar 1962 zurück in die Gegenwart. Auf dem Twitter-Account 60 Jahre Hamburger Flut (@HHFlut1962) werden durch zum Teil unveröffentlichte Quellen neue Blicke auf die Ereignisse präsentiert und die Abläufe und Zusammenhänge rund um die Flut erstmals in Echtzeit dargestellt. Das Projekt beruft sich in erster Linie auf über 200 Akten, die bundesweit in Archiven lagern und die Ereignisse rund um die Sturmflut 1962 dokumentieren. Die gesammelten Informationen wurden in einer Chronik zusammengetragen und die Abläufe der Katastrophe so minutiös verdichtet. Mit dem Ziel der Darstellung von Schlüsselmomenten wurden aus über 500 Eintragungen die 180 wichtigsten ausgewählt, die zusammen mit den Originalquellen in Echtzeit auf Twitter veröffentlicht werden. So erhalten Follower*innen einen Eindruck von der zeitlichen und räumlichen Dimension der Ereignisse.

60 Jahre Hamburger Flut

Anlässlich des Tags der Demokratie in Hamburg haben wir mit einem Kurzvideo die Vorurteile aber auch die Bedeutung von Archiven erkundet und dazu eingeladen das HSA als Ort der Demokratie (neu) zu entdecken. Denn es ist nicht nur ein authentischer Erinnerungsort an den Politiker, sondern auch unserer Demokratiegeschichte.

Diese Themen werden auch in unserer jährlichen Spazierlesung zum Langen Tag der Stadtnatur aufgegriffen. Der sehr persönliche Rundgang durch den privaten Garten der Schmidts gibt einen Einblick ins Wohnhaus und Archiv und verbindet den historischen Ort mit der Leidenschaft Loki Schmidts zur Natur.

Das HSA möchte auch junge Menschen einbeziehen und bietet Studierenden daher regelmäßig die Möglichkeit ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Quellen zu erproben. So konnte eine studentische Arbeitsgruppe Gespräche mit Zeitzeug*innen aus dem Umfeld Helmut Schmidts aufzeichnen, nach wissenschaftlichem Standard transkribieren und als neue Quellen im Archiv hinterlegen. Studierende des Fachbereichs Public History arbeiteten zuvor daran, einen Teilbestand des Berkhan-Nachlasses für die Forschung zugänglich zu machen. Ihre Ergebnisse bündelten Sie in einem Findbuch, das sie dem HSA als auch dem damaligen Wehrbeauftragten des Bundestages Dr. Hans-Peter Bartels überreichten.

  • Was ist Public History?

    Die Public History ist eine noch junger Teilbereich der Geschichtswissenschaft, die sich seit den späten 1970er-Jahren aus den USA heraus zunehmend professionalisierte. Gemeint ist damit die Aufarbeitung der Geschichte in, mit und für die Öffentlichkeit. Sie umfasst die Bereiche Erinnerungskultur, Denkmalpflege, Gedenkstättenarbeit, Archivwesen, Oral History und das Museumswesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, hören Sie den Podcast „Was ist Public History?“ von Professor Thorsten Logge, der am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg das Arbeitsfeld Public History leitet.