Objekt der Woche: Medal of Friendship

„Ein Hamburger nimmt keine Orden oder Auszeichnungen an“, sagte Helmut Schmidt stets in hanseatischer Nüchternheit. Er habe nur seine Pflicht getan und pflegte dann doch anzuhängen: „Wenn Sie mir etwas Gutes tun wollen, dann können Sie mir ein Zigarettendöschen schenken“.

Einmal hat er dann doch eine solche „Ehrung“ angenommen. Unscheinbar liegt sie in der Vitrine hinter Schmidts Schreibtisch, in seinem Reihenhaus in Langenhorn, das unverändert erhalten bleiben soll. Versteckt zwischen dem dunklen, selbstgeschnitzten Schachspiel aus seiner Kriegsgefangenschaft und einzelnen hochragenden Schnupftabakdöschen. Nur wer genau hinsieht, kann sie unterscheiden von den vielen uralten Münzen, die sauber aufgereiht langsam verblassen. Kaum zu sehen also, aber doch immer sofort greifbar liegt eine Ehrung, die mit Helmut Schmidts Verdiensten rund um das politische Weltgeschehen auf den ersten Blick nicht viel zu tun hat und doch auf den Grundstein von Schmidts politischem Handeln hindeutet: Die „George P. Shultz Medal of Friendship“, erhalten von George Pratt Shultz, der 1972 bis 1974 als Finanzminister mit Helmut Schmidts engem Freund Henry Kissinger in der Regierung der Vereinigten Staaten war und so mit Schmidt in Berührung kam.

Dass diese Medaille keine offizielle Auszeichnung ist, spielt dabei keine Rolle. Es zeigt, dass Helmut Schmidt neben seinem bekannten Pragmatismus und seiner direkten Art auch immer ein Mensch war, der international um Rat gefragt wurde und trotz aller Krisen, denen er sich gegenüber sah, nie die Werte der Freundschaft außer Acht ließ.

Helmut Schmidt ging es dabei nicht nur um das Austauschen von persönlichen Interessen, sondern er verstand, dass „man sich in persönlicher Atmosphäre schneller nahe kommt, als in Sitzungssälen“, dass eine persönliche Ebene Voraussetzung für erfolgreiche Gespräche und Zusammenarbeit ist und lebte diesen Grundsatz selber. Viele seiner politischen Kollegen folgten seiner Einladung in sein Reihenhaus und diskutierten mit ihm bei der einen oder anderen Zigarette.

George P. Shultz schrieb im November 2015 in seinem Nachruf „Ein wahrlich großer Mann“ in der ZEIT, dass Schmidts „Begabung für Freundschaft außergewöhnlich“ war und ergänzte, dass mehr als alles andere er „immer wertschätzen werde, ihn als Freund gehabt zu haben.“

Die „Medal of Friendship“ war also eine Geste von Shultz an Schmidt, die zeigt, welche enge Verbundenheit Politiker aus aller Welt, und besonders Helmut Schmidt, damals pflegten.

© Frederik Küll

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